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Interview mit Kinkster GimpSkinFag

“Wenn ich mein Gear anziehe, werde ich zum Gimp. Das ist eine befreiende Erfahrung”

Veröffentlicht am 15. Dezember 2020

© GimpSkinFag

Hallo GimpSkinFag, schön dich für dieses Interview hier zu haben. Kannst du einmal beschreiben, was es für dich bedeutet, einen Fetisch zu haben?
Meine Vorstellung davon, was ein Fetisch ist in meinem Leben, hat sich dramatisch erweitert in den 10 Jahren, in denen ich in der Community aktiv bin. Wenn ich mein Gear anziehe, werde ich zum Gimp. Das ist eine befreiende Erfahrung. Wenn ich der Gimp bin, brauche ich nur noch zu gehorchen. Ich muss mich nicht um den Stress in meiner Arbeit sorgen, um die dunkle Hölle von Welt, in der wir aktuell leben, oder irgendetwas, das wirklich wichtig ist. Ich beschreibe das Leuten oft als „mentalen Urlaub“. Der andere Faktor, der bestimmt, wie ich mich dabei fühle, ist wie lange ich verschlossen bin; Chastity ist einer meiner frühesten Kinks und auch einer meiner wichtigsten Kinks. Je länger ich verschlossen bin, desto stärker entsteht der Wunsch, dass ich Gear anziehen will, um wieder ein Gimp zu sein, oder, anderes Gear zu tragen.

Du siehst dich selbst als Gimp. Kannst du beschreiben, was der Begriff „Gimp“ für dich bedeutet?
Ich habe das in der letzten Frage schon angeschnitten, aber ich werde es etwas ausführen: Gimp zu sein, ist Teil meiner Identität. Für mich gibt es zwei Gimp-Modi: einen öffentlichen und einen privaten. In meiner örtlichen Bar, die nicht eine exklusive Kink-Bar ist, sondern in der auch die örtliche Leder-, und Pup-Gruppe (SVAPAH) zu Hause ist, werde ich oft als der „Gimp-Typ“ gesehen, oder einfach „der Gimp“. Ich mag es in „full-rubber” zu sein. Es geht mir dabei um den Zustand des „mentalen Urlaubs“; der andere Aspekt ist, dass der Gimp Dinge tun kann, die ich nicht tun kann. Auch wenn es nur eine dünne Latexschicht von 0,4mm, oder Kevlar, ist. Wenn ich auf Veranstaltungen in meinem Gimp-Gear bin, bin ich viel sozial offener, als in meinem normalen Ich. Als ich letztes Jahr beim „Mid-Atlantic-Leather” Jahr war, war ich die ganze Zeit Gimp, und die Menschen, die am Fahrstuhl gearbeitet haben und das Hotelpersonal erinnerten sich an mich, und ein älterer Mann, der am Fahrstuhl gearbeitet hat, hat mit mir getanzt und wollte sogar ein Bild mit mir haben. In meinem normalen Leben, würde ich sowas nie tun. Wenn ich auf solchen Events bin oder in einer Bar, strenge ich mich an, freundlich und offen zu sein, und jeder, der sich für Rubber und Gimps interessiert, kann mich gern ansprechen. Im Privaten, wenn ich bei meinem Sir oder Boyfriend bin, bin ich dann eher das Toy, mit dem gespielt wird, oder das weggeschlossen wird. Es gibt für mich nichts Schöneres, als hart benutzt zu werden und dann als Fußablage genutzt zu werden, während mein Sir oder Dom sich ausruhen. Ich nenne das nicht wirklich Bondage, weil Bondage etwas ist, das man mit Menschen macht, und ein Gimp kein Mensch ist, sondern ein Objekt, das benutzt und weggeschlossen wird, wenn es nicht benutzt wird.

© GimpSkinFag

Wann hast du deinen Fetisch zum ersten Mal entdeckt?
Oh wow, mein Fetisch entwickelte sich, bevor sich meine Sexualität entwickelte. Ich kann mich erinnern, besessen gewesen zu sein von „Under Armour” (Sport Gear), als ich es zuerst mit 10 oder 11 Jahren sah. Ich bekam mein erstes Kleidungsstück von „Under Armour”, als ich auf der Mittelschule war, es war ein grünes Kompressionsshirt, das ich immer noch habe und in das ich mich kaum reinzwängen kann. Ich habe das so oft getragen, es wundert mich, dass es nicht ausgeleiert ist. Eine andere lebhafte Erinnerung, die ich an frühe kinky Erfahrungen habe, fand statt, als ich sehr, sehr jung war, wahrscheinlich bevor ich in der Schule war. Ich nahm eine Rolle durchsichtiges Klebeband und wickelte meinen Körper damit ein. Ich mochte die Enge, und den Glanz, den es meiner Haut gab. Meine ersten Versuche, meine Kinks auszuprobieren, habe ich in der High School gehabt. Ich hatte einen Amazon-Account, habe gespart und mir einen Chastity-Cage bestellt. Als ich ihn das erste Mal anprobiert hatte, hart wurde und sich alles gegen das Plastik presste, fühlte es sich an, als wäre alles an seinem Platz. Ich erinnere mich, dass ich dachte, dass es das sei, was ich brauchte. Danach fühlte ich mich schuldig und packte es in eine Kiste und versteckte es für ein paar Jahre bis ich auf dem College war und mich stärker selbst akzeptiert habe.

© GimpSkinFag

Du hast über deine frühen Fetish-Erfahrungen gesprochen: Wie ging deine Entwicklung weiter?
Als ich auf dem College war, war ich etwas offener gegenüber dem, was ich war. Ich lebte immer noch bei meinen Eltern, und das verursachte einige Spannungen, aber ich habe angefangen, online mit Leuten zu sprechen und bin einigen dieser Apps beizutreten und habe angefangen, Leute zu treffen. Ich hatte einige große Konflikte, ein Masochist zu sein ist hart in einer Welt, die das nicht versteht; kinky zu sein ist schwer in einer konservativen Region. Ich wurde in paar mal mit „Spuren” auf meinem Körper erwischt, und meine Mutter dachte, mein „Boyfriend“ zu der Zeit würde mich misshandeln; das war eine schräge Unterhaltung, um das Mindeste zu sagen.

Spielt dein Fetisch in deinem Alltag eine Rolle?
Ich bin eigentlich immer in einer Form von Gear, auch wenn es nur ein Jockstrap ist unter meiner Kleidung oder ein schönes Paar Stiefel. Ich trage mein Gear in einem sexuellen Sinn, aber ich integriere es auch in mein Leben. Es geht mir hauptsächlich darum, ehrlich mit mir selbst zu sein. Ich habe mich geschämt und versteckte meine Kinks und meine Sexualität über Jahre und ich habe das Gefühl, ich habe deswegen einiges an Spaß verpasst. Jetzt verstecke ich mich nicht mehr oder entschuldige ich mich nicht dafür, was ich bin; ich reibe es nicht in das Gesicht anderer Leute, aber ich verstecke den Part von mir auch nicht.

Kannst du beschreiben, was Schmerz in kinky Sessions für dich bedeutet?
Ich habe ein Verlangen nach Schmerz. Danach verlange ich an manchen Tagen mehr, als an anderen, aber es ist immer da. An manchen Tagen will ich geschlagen werden, bis ich zusammenbreche, an anderen Tagen reichen mir nur einige Schläge. Schmerz ist wie eine Droge für mich. Ich verlange danach, und wenn ich es bekommen habe, dann fühle ich mich gut und glücklich in der Welt. Wenn ich einen schrecklichen Tage hatte, und ich dann ein Spanking kriege, geht es mir danach besser. Meine Sirs und ich haben letztens eine Szene gefilmt, in der ich gepeitscht wurde und danach sagte mein Sir, ich sähe aus als sei ich „stoned“. Ich war einfach glücklich und „Schmerztrunken“. Meine Liebe zum Schmerz rührt teilweise daher, was es mit mir macht, aber Leiden und Schmerz macht mir noch mehr Freude, wenn ich weiß, dass jemand sich darauf einen runter holt. Und das wirkt zurück darauf, ein Gimp zu sein. Ich liebe es zu wissen, dass ich meinem Sir einen Stressabbau geben kann.

Wie hast du dich als Person verändert in den Jahren seit du deinen Fetisch auslebst?
Hauptsächlich wurde ich offener und mir selbst gegenüber ehrlicher. Ich habe mir selbst vor Jahren gesagt, dass ich selbst mich nicht mehr entschuldige für das, was ich bin, oder mich verstecke, und über die meiste Zeit habe ich auch so gelebt. Ich lebe mein Leben für mich. Ich brauche keine Bestätigung von anderen oder meiner biologischen Familie. Wenn jemand nicht einverstanden ist mit dem, was ich tue, oder wer ich bin, okay, aber ich werde mein Leben deswegen nicht ändern. Fetisch und Kink haben mir die Kraft gegeben, mich mit mir selbst einverstanden zu fühlen. Und die letzten Jahre waren die besten bisher überhaupt. Ich gehe auf Veranstaltungen in meiner Bar, ich gehe zu großen Fetisch-Events, ich habe einen Sir, und ich habe zum ersten Mal einen echten Partner. Mein Leben ist echt gut, seit ich ehrlich wurde gegenüber meinen Kinks und mir selbst.

© GimpSkinFag

Wenn du zurückdenkst: Was ist deine beste Kink-Erfahrung bis jetzt?
Über Jahre war ich besessen von einschwänzigen Peitschen. Ich habe hunderte von Peitschszenen gesehen auf verschiedenen Seiten und habe eine Menge Geschichten darüber gelesen. Und zufällig habe ich eines Tages in einer App gesurft und einen Typen gefunden, der nicht weit von mir entfernt wohnte und einen Masochisten suchte. Nach ein paar Tagen des Chattens stellte sich heraus, dass er sehr gut mit der Peitsche umgehen konnte. Er war ein sehr gutaussehender Navy-Typ, der nur ein paar Meilen von mir entfernt wohnte. Als wir uns dann trafen, entsprach er allem, was ich mir wünschen konnte. Er trug enge Wranglers und schöne Cowboy-Stiefel. Als ich ankam, brachte er mich in die Garage und fing gleich an. Der erste Schlag der Peitsche ging durch mich durch wie ein Blitz und es war, als ob mein Geist ganz leer würde und es existierte nur dieser eine Schlag im Universum. Er sah nach, ob es mir gut ging, und er machte mit leichteren Schlägen weiter, bis ich aufgewärmt war und er auf volle Kraft schalten konnte. Ich war mit einem Freund da, weil er mir sagte, dass ich danach nicht würde fahren können, und er hatte recht. Als er fertig war, sank ich auf dem Boden zusammen. Es dauerte eine Weile, bis ich wieder anfing zu reden (oft spreche nicht im „sub-space“, sondern schüttele mich und zittere). Das nächste, an das ich mich erinnere, war, dass ich sehr wund und sehr glücklich in meinem Bett aufwachte.

Danke GimpSkinFag für dieses Interview!

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(Interviewer: Michael)

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