Fetisch & Leder Club Dreiländereck de

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Kink Socials – Fetisch & Leder Club Dreiländereck (FLCD)

“Sichtbarkeit und Anerkennung zu erreichen und öffentliche Vorurteile oder Diskriminierung in Bezug auf Fetisch abzubauen, sind unsere wichtigsten Anliegen”

Veröffentlicht am 25. Juli 2021


Über die “Kink Socials”-Serie

Während die Corona-Pandemie langsam ihrem Ende entgegen geht, beginnen die Leute wieder, sich persönlich zu treffen. Aber auch jenseits davon ist es für Kinkster eine wichtige Frage, wie man die Balance hinbekommt zwischen echtem sozialen Leben und virtuellem sozialen Leben. Mit all den Artikeln der “Kink Socials”-Series möchte ich ein paar Kink- Social-Gruppen vorstellen, und möchte damit zeigen, dass sie ein wichtiger Teil der Kink-Community sind. Vielleicht führt das dazu, dass woanders noch neue Gruppen entstehen.


© FLCD

Im zweiten Teil der Kink Socials Serie spreche ich mit Martin vom Fetish & Leder Club Dreiländereck (FLCD)

Hallo Martin, bitte beschreibe einmal, wie es dazu gekommen ist, dass ihr eure Gruppe gegründet habt
Die Gründung des FLCD Fetisch & Leder Club Dreiländereck hat eine relativ kurze und trotzdem interessante Geschichte. Entstanden ist der FLCD aus dem Fetisch-Stammtisch-Freiburg, der wiederum von mir und 2 weiteren Ledermännern aus der Region ins Leben gerufen wurde. Der 1. Stammtisch fand im August 2020 statt. Freiburg, als Stadt mit einer großen und wachsenden queeren Community, hatte zu dieser Zeit für Fetischbegeisterte keinerlei Veranstaltungen, Freizeitaktivitäten oder Ähnliches, und das wollten die Beteiligten ändern. Der Pandemie geschuldet fanden 2020 nur 3 Stammtisch-Abende statt, jedoch waren diese von Beginn an gut besucht und schnell wurde eine Steigerung der Teilnehmer verzeichnet. Aufbauend auf der guten Akzeptanz des Stammtischs waren sich alle Beteiligten einig, dass man für die Fetischcommunity in der Region weitaus mehr tun müsste. Dies wäre jedoch in der bisherigen Form, Organisation sowie unter dem bisherigen Namen nicht zielführend und erfolgsversprechend gewesen. Daher haben wir uns dazu entschlossen, einen Club zu gründen. Nach mehreren Wochen der Namenssuche, Überlegungen zur Zielsetzung und dem Niederschreiben der Satzung wurde am 02.06.2021 der FLCD Fetisch&Leder Club Dreiländereck gegründet. Die bisherigen Stammtische wurden ebenfalls in den neuen FLCD integriert und eine Vielzahl der Club-Mitglieder entstammen dieser ursprünglichen Gruppe. Übrigens zeugt das Wort „Dreiländereck“ im Vereinsnamen von der Herkunft des bisherigen Publikums und stellt dar, in welchem Bereich unser Einzugsgebiet liegt. (Deutschland/Frankreich/Schweiz). Wir wollen mit dem Club der überregionalen Community ein Zuhause, eine Dachorganisation anbieten und als funktionierender Fetischclub und etablierte Gruppe, wie man das aus anderen Städten kennt, wahrgenommen werden. Natürlich hoffen wir auch, dass uns zukünftige partnerschaftliche Beziehungen zu anderen Clubs dabei helfen und dem Club so eine lange Zukunft bevorsteht.

© FLCD

Welche Art von Veranstaltungen macht ihr mit eurer Gruppe?
Da der FLCD bisher erst wenige Monate alt ist und wir immer noch Pandemieeinschränkungen unterliegen, konnten noch keine Vielzahl von Angeboten, Veranstaltungen oder Ähnliches in die Wege geleitet werden. Wir behalten jedoch die monatlichen Stammtisch-Treffen bei und konnten auch schon das erste Event „Fetisch am Lagerfeuer“ durchführen. Offiziell zeigten wir auch beim CSD Freiburg Präsenz. Aktuell konzentrieren wir uns auf das Wesentliche, nämlich das, was wir noch an Plänen haben und zu entsprechender Zeit umsetzten werden. Das oberste Ziel ist, die Fetischcommunity zu stärken, Veranstaltungsort aber, wo nötig, auch Rückzugsort zu sein. Ebenso ist, Akzeptanz und Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit aufzubauen, eines unserer Anliegen.

Wie sehr seid ihr mit anderen Gruppen verbunden und wie stark tretet ihr auch politisch auf?
Der FLCD sieht sich als unpolitisch an und agiert diesbezüglich neutral. Wir werden deshalb keine politische Stellung nehmen und auch keinerlei Verbundenheit zu politischen Parteien suchen. Gemeinsames Thema im Verein soll der jeweilige Fetisch sein und die Verbundenheit zur Community.

Wie ist denn die Altersstruktur eurer Mitglieder und eurer Besucher?
Unsere Mitglieder und Besucher haben eine sehr heterogene Altersstruktur. Wir haben 20-jährige aber durchaus auch 80-jährige Besucher. Ebenso ist bei den festen Club-Mitgliedern keine alterszugehörige Tendenz festzustellen. Der FLCD strebt keine spezielle Altersstruktur an. Jeder homosexuelle fetischbegeisterte Mann wird herzlich aufgenommen und wertschätzend geachtet. Fetisch kennt kein Alter. Wir wollen uns auf die gemeinsamen Vorlieben konzentrieren und darüber Zusammenhalt erzeugen.

Wie geht ihr mit dem Thema Kink/Fetisch im öffentlichen Raum um?
Sichtbarkeit und Anerkennung zu erreichen und öffentliche Vorurteile oder Diskriminierung in Bezug auf Fetisch abzubauen, sind unsere wichtigsten Anliegen. Es ist essentiell, dass jeder sich so zeigen darf, wie er mag und dies natürlich auch tun kann. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass das Interesse und die Anerkennung in der Öffentlichkeit größer ist als die Ablehnung. Und je mehr die Öffentlichkeit weiß, desto mehr Zuspruch kann erzeugt werden. Dazu hier eine „brandaktuelle“ Geschichte: Zur CSD-Kundgebung diesen Jahres habe ich den Weg über die gut besuchte Innenstadt gewählt. Gekleidet in einer vollen Lederuniform mit Stiefeln und Accessoires. Es gab nur interessierte und begeisterte Blicke von Menschen jeglichen Alters und Herkunft. Junge Menschen suchten das Gespräch mit mir, um mitzuteilen, wie toll mein Lederoutfit aussähe und es ganz normal sei, dass man sich in der Öffentlichkeit so zeigt, wie man möchte und sich damit wohlfühlt. Und in so einer Selbstverständlichkeit ist in der „Auftrag in der Öffentlichkeit“ erfüllt. Für mich ist es völlig normal, mich in Leder, Gummi, Sportswear oder ähnlichem Fetisch in der Öffentlichkeit zu zeigen. Es gibt jedoch auch Abgrenzungen, die ich nicht unerwähnt lassen möchte: Der gesunde Menschenverstand sollte immer die Oberhand behalten, und man sollte es im öffentlichen Raum mit sexueller Freizügigkeit auch nicht übertreiben. Zu nackt und zu freizügig ist grenzüberschreitend, denn wir sind eine Gesellschaft und sollten uns gegenseitigen Respekt zollen. Zuspruch kommt immer auch von Wertschätzung und daher ermutige ich jeden, seinen Fetisch nicht zu verstecken sondern offen auszuleben und zu zeigen.

© FLCD

Was würdest du jemandem sagen, der Interesse hat, Aktivitäten eurer Gruppe zu besuchen, aber sich noch nicht so richtig traut, vorbei zu kommen?
Wir kennen das alle. Man hat eine Vorliebe, Idee, einen Plan und traut sich nicht gleich an die Ausführung. Sich zu einem Fetisch zu bekennen, bedarf es dann vielleicht nochmal etwas mehr Mutes, um über den eigenen Schatten zu springen. Ein wirkliches „Rezept“ gibt es wohl nicht. Aber ich empfehle: „Augen zu und durch“. Im Bezug auf den FLCD und unsere Veranstaltungen ermutige ich jeden, einfach mal vorbei zu kommen. Denn der einfachste Weg auf neuem Terrain ist, mit Personen zu reden, die verstehen und wissen, welche Hürden bestehen und wie man sie überwindet. Personen zu treffen, die gleiche Interessen haben, bestärkt einen zudem in der eigenen Situation. Aus meiner Erfahrung ist es so, dass ich nie Ausgrenzung deshalb erlebt, sondern viele neue Erfahrungen gesammelt habe, und heute kann ich ganz entspannt mit dem Thema umgehen. Mein Fetisch ist für mich keinerlei Makel. Was natürlich immer geht, wenn jemand zu uns finden will aber lieber nicht in der Öffentlichkeit auffallen möchte, ist, sich direkt vor Ort bei den Veranstaltungen umzuziehen. In den größeren Städten ist es Usus, dass Umkleideräume zu Verfügung stehen. Abschließend noch kurz der Hinweis: Leute gebt Euch einfach, wie Ihr seid! Traut Euch und kommt zu Fetischveranstaltungen der Clubs oder Fetischpartys und ähnlichem in der Szene! Meist stellt der eigene Kopf die größte Hürde dar.

© FLCD

Das Sozialleben von Kinkstern findet zu einem Großteil auch virtuell statt. Nicht nur seit Corona, sondern auch wegen geografischer Distanzen zwischen einzelnen Kinkstern. Wie ist deine Meinung zu den Vor-, und Nachteilen von virtuellem und realem Sozialleben?
Gerade in ländlichen Bereichen ist es unabdingbar, virtuell den sozialen Kontakt zu suchen und zu knüpfen. In Ballungszentren und Städten ist das etwas weniger stark ausgeprägt. Die Zunahme virtueller Kontaktaufnahmen ist nicht zuletzt auch dem Fehlen von Treffpunkten, Rückzugsorten oder Clubs geschuldet. Diese Tendenz wurde durch Corona noch verstärkt. Es ist daher wichtig, dass man Engagement zeigt, das „echte Leben“ dem virtuellen entgegenzustellen. Beide Arten des Soziallebens sollen bestehen bleiben. Sie haben beide ihre Vor- und Nachteile. Ich persönlich bevorzuge eher Präsenz und reale Treffen. Man findet schneller Kontakt, muss sich nicht nur auf eine Person fokussieren, ist unter meist netter Gesellschaft und muss sich nicht vorschnell festlegen. Bei Virtuellen Treffen ist der Inhalt und der Bezug meist oberflächlicher, man legt im Normalfall immer nur das Ziel eines Dates fest und den Zeitpunkt. Folglich entsteht meist keine enge Verbindung und man investiert durchaus mehr Zeit für Chats als wenn man im „real life“ Gespräche sucht. Ebenso finde ich, dass man virtuell sein Gegenüber schlechter Einschätzen kann. Manche Situationen können sogar Gefahren bergen.

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Kannst du beschreiben, wie du festgestellt hast, dass du Kinks und Fetische hast? Gab es bestimmte Ereignisse?
Das ist eine durchaus schwierige Frage und ich kann sie auch nicht unbedingt auf einen Fetisch oder Kink beziehen. Ich habe über die Jahre mehrere Fetische für mich entdeckt und jeder kam auf anderen Wegen. Ich mag Sportswear, Sneaker, Sox, Rubber und Leder sehr gerne. Aber auch diverse Spielarten und BDSM gehören zu meinem Leben. Bei Sportswear, Sneaker, Socks ist sicher die Schulzeit inklusive Sportunterricht „schuld“. Schulkameraden in heißen Outfits mit geilen Sneakern haben schon die eine oder andere Zuneigung erweckt. Auch erste heimliche Erfahrungen durch Riechen an Sneakern oder Klamotten in der Umkleide haben diese Neigung bekräftigt. Es ist heute noch geil, solchen Jungs, wenn oft auch hetero, hinterher zu schauen. Bei Gummi ist es so, dass ich das gar nicht mehr reflektieren kann, wie es dazu kam. Man hat sich irgendwann mal was gekauft, ausprobiert und geil gefunden. Es ist schier unbeschreiblich, das Latex am Körper zu fühlen. Am interessantesten ist vermutlich, wie es zum Leder-Fetisch kam. Hier muss ich einige Jahre zurückblicken: Mit frischen 17 Jahren, natürlich noch ganz ohne bekennende Fetischneigung, hatte ich mich zu einem „klassichen“ Date verabredet. Damals, ohne jede Szeneerfahrung, hat mir das Gegenüber eine schwule Lokalität als Treffpunkt genannt. Jedoch hatte ich mich in der Adresse geirrt und lief als „junges Bübchen“ zielstrebig in eine Lederbar. Mir hat man relativ schnell zu Verstehen gegeben, dass das wohl nicht der richtige Ort gewesen war. Diese offensichtliche Dominanz und der Anblick der „Ledermänner“ ließen mich allerdings einige Jahre in Gedanken nicht in Ruhe. Ich wähnte mich lange noch zu jung für Leder und beließ es für einige Jahre bei Sportswear und Gummi. Was jedoch immer blieb, war die Hingabe und das Gefallen an uniformierten Ledermännern in tollen Boots. Jahre später erst, kaufte ich mir einen Lederharness und legte mir bald weitere Ledersachen zu, bis irgendwann eine ganze Uniform zusammen war. Heute kann ich mit Stolz in vollem Ledergear auftreten. Was sich alle Jahre weiter entwickelt hat, sind die Erfahrungen mit diversen Spielarten und BDSM, es kamen immer mehr, auch härtere und aufregendere, Erlebnisse dazu. Ich würde sagen, ich bin da mehr und mehr reingewachsen…aber ohne es zu bereuen.

© FLCD

Welche Zukunftspläne habt ihr für eure Gruppe?
Der FLCD hat noch viele Zukunftspläne, Projekte und Visionen. Ich, als Vorsitzender, bin jedoch ein Mensch, der erst berichtet, wenn etwas vollendet steht. Daher möchte ich auf die Pläne nicht im Detail eingehen. Prioritär steht dieses Jahr an, die Zusammenarbeit mit den anderen Clubs in trockene Tücher zu bringen. Was ich auch gerne in diesem Jahr noch Anbieten würde, wäre ein großes „Fetisch-Social“ mit Dinner, Stadtführung und anschließender Party. Leider ist derzeit das Veranstalten von Partys in der Stadt wieder untersagt, und ich sehe diese Pläne aktuell als eher erst im nächsten Jahr realisierbar. Weiterhin soll ein großes Veranstaltungs-Projekt realisiert werden, das nicht nur für die Fetisch- sondern auch für die gesamte Queercommunity ein Highlight in der Stadt werden soll. Der FLCD kann sich natürlich auch vorstellen, an den Plänen eines Queeren-Zentrums in Freiburg mitzuwirken. Definitiv wird einmal im Monat der Stammtisch stattfinden. Und für nächstes Jahr steht wieder die Teilnahme am CSD Freiburg und hoffentlich auch in anderen Städten an. Sehr wichtig ist für uns natürlich, noch eine Vielzahl von Mitgliedern zu gewinnen und baldmöglichst ein Clubheim zu haben. Aber da bin ich sehr zuversichtlich!

Martin, vielen Dank für das Interview

Informiert euch auf der Website des FLCD und folgt Martin auf Instagram

Die Fragen stellte Michael

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